Monatsarchiv: März 2013

Räudige Rumpler

Auch zwanzig Jahre nach seinem Zerwürfnis mit Jeff Tweedy und der Auflösung der gemeinsamen Band bleibt Jay Farrar der ursprünglichen Mission treu: die amerikanische Volksmusik vom kommerziellen Zuckerguss zu befreien. Mit neuer Besatzung und alter Nonchalance verfolgt Farrar auf dem ersten Son-Volt-Album seit vier Jahren die Spuren des Honky-Tonk-Country, wie ihn Buck Owens, Merle Haggard oder Wynn Stewart einst prägten. Die Erfinder des sogenannten Bakersfield-Sound hatten in den sechziger Jahren das Genre mit einer guten Prise Rock’n’Roll aufgemischt, Farrar modernisiert deren Erbe. Da weinen – zwischen Cajun-Walzer und Barhouse-Rockern – die Pedal-Steel-Gitarren, während Farrar Amerikas Malaisen besingt. Dass er sich erstmals an Worte wie »love« und »heart « heranwagt, beweist, wie viel Zärtlichkeit unter dem räudigen Rumpeln steckt.

Son Volt: Honky Tonk (Concord/Universal)

JONATHAN FISCHER
Die Zeit 7.3.2013

Advertisements