Ein Herz zu groß für diese Welt – der Soulsänger Charles Bradley ist mit 68 Jahren gestorben

Wenn Charles Bradley die Bühne betrat, konnte einem Angst und bange werden. Reicht seine soulpower, das Kraftwerk seiner Stimme, um sich noch einmal empor zu pressen, zu schreien, die Finsternis zu vertreiben? Nein, dieser Soulveteran hatte keine Routine drauf, wie sein großes Vorbild James Brown, seine Gesten schienen der Verletzlichkeit seines Gesangs hinterherzuhinken, während sein Gesichtsausdruck stets mit einem Ausdruck zwischen Verzweiflung und schmerzhafter Ekstase kämpfte. Denn Charles Bradley, ein aus Brooklyn stammender Soulmann, sang über sein eigenes Schicksal – und für all jene, die wie er nach Anerkennung und Liebe suchten. Und er blieb so lange oben bis er das Gefühl hatte, alle, ja wirklich alle im Publikum umarmt zu haben. Zumindest metaphorisch. „Wir sind bessere Menschen“, predigte er, „imagesals wir glauben“. Anschließend konnte es passieren, dass er im Interview weinte. Tragödie, das klingt angesichts von Charley Bradleys Lebens wie ein Euphemismus. Erst mit 62 Jahren konnte er sein Debut-Album „No Time For Dreaming“ veröffentlichen – gefolgt von den Klassikern „Victim of Love“, und „Changes“. Davor hatte er als jugendlicher Ausreißer lange auf der Straße gelebt, in U-Bahn-Waggons geschlafen und sich später mit Hilfsjobs als Koch über Wasser gehalten. Nebenbei trat er als James-Brown-Imitator auf. Ohne Erfolg. Bis ihn eines Tages Gabriel Roth, Chef des Daptone-Labels, in einer New Yorker Bar singen hörte. Er spannte ihn mit einer Band junger weißer Hipster zusammen, ermutigte ihn, die Tiefschläge seines Lebens – zuletzt die Ermordung seines älteren Bruders, und das Ableben der von ihm gepflegten Mutter – in Songs zu gießen. Souldramen, die Bradley in die Nachfolge von 60er Jahre Giganten wie Otis Redding und O.V. Wright stellen. Am Samstag ist der „Screaming Eagle of Soul“ an den Folgen eines Magenkrebses verstorben. Charles Bradley wurde 68 Jahre alt. „Sein Herz“, twitterten seine Musikerkollegen Antibalas, „war zu groß für diese Welt“.

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