DEAR MAMA – Afeni Shakur, Bürgerrechts-Aktivistin und Mutter von Tupac, stirbt mit 69 Jahren

 

„Selbst als Crack-Abhängige warst du noch eine schwarze Königin, Mama/… du hast immer gekämpft, eine arme schwarze Sozialhilfeempfängerin…/ ich kann dir das nie heimzahlen, aber ich möchte wenigstens zeigen, dass ich dich verstehe…“

Diese Zeilen aus Tupacs 1995er Superhit „Dear Mama“ machten Afeni Shakur zur HipHop-Ikone. Wenn der Sohn auch mit „Thug Life“-Tattoo auf der Brust zum weltweit gefeierten Gangsta-Rapper aufstieg, dann war es der Einfluss der Mutter, der seine andere Seite – die des Frauen-Verstehers und Bürgerrechts-Aktivisten – in ihm wachhielt..Afeni Shakur hatte schon Black Power-Geschichte geschrieben, als die ärmere Hälfte New Yorks noch von Heroin-Kingpins regiert wurden – und HipHop bestenfalls Assoziationen mit Gummiband-hüpfenden Mädchen weckte. Eigentlich hieß sie ja Alice Faye Williams. Als sie in den 60er Jahren in der Bronx aufwuchs, träumte sie davon, Schauspielerin zu werden. Bis sie Malcolm X und Eldridge Cleaver sprechen hörte: „Ihre Worte gaben mir Nahrung, Hoffnung und Träume“. Williams afrikanisierte ihren Namen. Und servierte armen schwarzen Schulkinder kostenlos Pfannkuchen und warme Milch – in den Frühstücksküchen der Black Panther Party. „Ich habe viele der wichtigsten Lektionen über das Mannsein von Afeni gelernt, “ schreibt Black Panther-Kollege Jamal Joseph, der spätere Patenonkel von Tupac Shakur. „Sie lehrte uns Wort zu halten, für unsere Kinder zu sorgen, Frauen als gleichberechtigt zu respektieren und auch Zeit mit älteren Menschen zu verbringen“. Afeni aber – so bekannte sie selbst – „versuchte härter als die Härtesten zu sein“. 1971 kam sie als Teil der Panther 21 vor Gericht. Die Anklage: Sie habe Bombenattentate auf Wahrzeichen der Stadt New York geplant. Shakur verteidigte sich selbst und wurde kurz vor der Geburt ihres Sohnes aus der Haft entlassen.

Auf dieses „revolutionäre Vermächtnis“ war Tupac stolz. Afeni schickte ihren Sohn auf die Kunsthochschule, wo er Ballett und Schauspiel lernte. Seinen Aufstieg zum HipHop-Star aber bekam sie – im Crack-Rausch – kaum mit. Es war Tupac, der seine Mutter konfrontierte und den Dealern untersagte, an sie zu verkaufen. 1991 kam sie von den Drogen los. Als ihr Sohn fünf Jahre später in Las Vegas erschossen wurde, übernahm sie die Verwaltung seines künstlerischen Erbes, brachte ein Dutzend posthume Alben heraus, und finanzierte mit einem Großteil der Erlöse Theater-Camps für unterprivilegierte Jugendliche. „Kunst kann Kinder retten, egal was bei ihnen daheim schiefgeht“, erklärte sie einmal. „Ich möchte ihnen Bildung und die Entdeckung ihrer Ausdrucksfreiheit ermöglichen“. Wie viel ihr am richtigen Image ihres Sohnes lag, das bewies Afeni, als sie mit wütenden Mails an ein Major Label dem kleinen Münchner Plattenverlag Trikont die Lizenz für einen sozialkritischen Tupac-Song zuschanzte. An „All Eyez On Me“, der Ende des Jahres in die Kinos kommenden Verfilmung von Tupacs Leben, wirkte sie als Produzentin mit. Am letzten Montag ist Shakur einem Herzstillstand erlegen. Tupacs „Dear Mama“ wurde 69 Jahre alt.

6.5.2014images

JONATHAN FISCHER

 

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