Soul Brasileiro – Der Sänger Lucas Santtana erneuert den Bossa Nova

Als einer, der zur akustischen Gitarre singt, steht der brasilianische Nachwuchs-Star Lucas Santtana in einer großen brasilianischen Tradition und doch bricht er auf seinem Album „Sem Nostalgia“ (Mais Um Disco) doch jede Bossa-Nova-Gediegenheit. Abenteuerlich bereits der Eröffnungssong „Super Violao Mashup“: Der trockene, vertrackte Rhythmus treibt im dazugehörigen Videoclip einen Mann und eine Frau zu einem Breakdance-Wettbewerb auf den Straßen Rio de Janeiros an. Irritierend nur dieses nervöse Getrommel unter der akustischen Gitarre. Ist es das Hacken einer alten Schreibmaschine? Oder sind es verstärkte Insektengeräusche? Oder doch ein ratterndes Fax-Gerät? Auch auf dem wunderbar schwebenden Liebeslied „Cira, Regina E Nana“ ist es vor allem das Klicken eines rätselhaften Schlaginstruments, das die Harmonie von Gesang und Gitarre stört. Ja, ein Sampler war hier im Spiel. Gefüttert wurde er allerdings nur mit Schlaggeräuschen einer akustischen Gitarre. Ansonsten setzt Santtana, der als Begleitmusiker bei Caetano Veloso, Gilberto Gil und Chico Science gelernt hat, auch gerne Hall- und Dub-Effekte ein. Avantgarde und Schönheit müssen keine Widersprüche sein. Zu Santtanas portugiesisch-englisch gesungenes Konzeptalbum lässt sich auch ohne instruierendes Booklet tanzen – beziehungsweise breakdancen.
JONATHAN FISCHER
SZ, 24.8.2011

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.