Trocken: Der Hip-Hop-Produzenten Pete Rock erinnert sich allzu nostalgisch

Und noch ein Hip-Hop-Album mit monumentalem Anspruch: Das Album-Cover zeigt die zu Ton-Skulpturen verewigten Köpfe von Produzent Pete Rock und dem Rap-Duo Smif-N-Wessun , allesamt Legenden des New Yorker Old-School-Hip-Hop, die ihre goldenen Tage vermeintlich hinter sich haben. So weit ähnelt die Ausgangslage der von Jay-Z und Kanye West. Ansonsten aber verkörpert „Monumental“ (Duck Down Music) das Gegenteil von „Watch The Throne“ – im Guten wie im Schlechten. Wo letzteres Album mit mächtiger Orchestrierung Pop sein will, vertraut Pete Rock ganz der trockenen Ästhetik des Ostküsten-Hip-Hop der neunziger Jahre. Boombap-Beats, knisternde Funk-Samples, sparsamste Verzierung. Ein Rezept, mit dem Rock einst Klassiker für Run DMC , A Tribe Called Quest und Notorious B.I.G produzierte – und das heute eine Nische von Hip-Hop-Enthusiasten verzückt. Smif’n Wessun nutzen das ungewohnte Rampenlicht, um dem musikalischen Untergrund Brooklyns ewige Treue zu schwören. Höchste Straßen-Credibility, keine Frage. Doch dann kippt die Angelegenheit: Nach fünf, sechs spannenden, mal von Bläsern (im Titelsong), mal von Reggae-Beats („This One“) akzentuierten Tracks, glaubt man einem Nostalgie-Treffen der Klasse von 1993 beizuwohnen – das Adrenalin von einst ist bloßes Zitat. Wie wäre es mit einem Album von Jay-Z und Pete Rock?

JONATHAN FISCHER
SZ 10.8.2011

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