Entspannt: Die „Banda Black Rio“ probt wieder den Samba-Funk

Wäre die amerikanische Band Earth, Wind and Fire neben einer Sambaschule aufgewachsen, würde sie wohl klingen wie Banda Black Rio : verspielt um den Beat dribbelnd, ein wenig würde der „saudade“ durch den Soul-Gesang schimmern, der typisch portugiesische Weltschmerz, und doch wäre alles in einem satten Funk-Fundament verankert. Die Ursprünge der Band aus dem ärmeren Nordteil von Rio de Janeiro reichen weit zurück. Die Black-Rio-Bewegung inspirierte in der Zeit der Militärdiktatur eine ganze Generation desillusionierter Jugendlicher dazu, ihre schwarzen Wurzeln als Soul Power zu feiern. Mit eigener Mode, eigenen Manierismen, eigener Musik. Nicht nur die Baile Funk genannten Wochenend-Partys in Rios Zona Norte spielten den neuen Samba-Funk, die drei zwischen 1976 und 1980 eingespielten Alben von Banda Black Rio wurden später auch in Europa und Nordamerika zu Untergrund-Clubhits. Nun hat William Magalhes, Sohn des verstorbenen Bandgründers Oberdan Magalhes, das alte Band-Konzept für „SuperNovaSambaFunk“ (Farout Recordings) neu aufgelegt: Es ist eine Soul-Brasil-Fusion geworden mit funky Bläsersätzen, die vor allem von seinen Star-Gästen lebt. Dem entspannten Schnurren von Seu Jorge etwa, der Bossa-Melancholie Gilberto Gils und Caetano Velosos, den Samba-Raps von Marcio Local. Die alten Helden klingen frischer denn je!
Jonathan Fischer
SZ, 6.7.2011

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