Der Pionier: Kool G Rap rollt den Hip-Hop von hinten auf

Der inzwischen 42-jährige Kool G Rap wird gerne als „Der Lieblingsrapper deines Lieblingsrappers“ beschrieben, was einerseits zeigt, welchen Einfluss dieses aus Queens, New York, stammende Urgestein des Hip-Hop auf nachfolgende Superstars wie Jay-Z, Nas, Notorious B.I.G., Eminem oder RZA ausübte, andererseits aber auch beweist, dass der Pionier der realistischen Straßenreportage lange als Relikt einer goldenen Hip-Hop-Ära galt und unfähig, die Genie-Streiche von einst zu wiederholen. „Riches, Royalties & Respect“ (Fat Beats), Kool G Raps erstes Album seit neun Jahren, widerlegt nun alle Kritiker. Das Album rollt den Hip-Hop von hinten auf und bringt – dank Produzenten wie De La Souls Supa Dave – die ausgefeilte Sound-Ästhetik der frühen neunziger Jahre zurück: zu hören sind also staubtrockene Beats, Moll-Streicher, ein Takt Schweineorgel hier, ein jazziges Vibraphon dort, bisweilen auch eine verzweifelt flehende Soulstimme. Die knisternde Kulisse für den Hauptakt ist Kool G Raps sonore, abgebrühte Raps, die in typisch vielsilbigen, oft ganze Satzteile zusammenziehenden Reimen nicht nur Pulp-Fiction vortragen, sondern auch überraschend melancholische Rückblicke wie „Sad“ oder „Pages Of My Life“, in dem es autobiographisch um eine triste Ghetto-Kindheit geht. Mit den richtigen Produzenten werden Rap-Originale nicht älter, sondern besser!
JONATHAN FISCHER
SZ 25.5.2011

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