Inspirierend: Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou – Die alten Herren des Afro-Funk weisen dem Indie-Pop den Weg

Es ist beinahe unglaublich, dass diese Band über drei Jahrzehnte lang außerhalb Westafrikas kaum bekannt war. Seit den späten sechziger Jahren lieferte das Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou den patriotischen Soundtrack für das sozialistische Regime seines Heimatlandes Benin. Es spielte auf Staatsempfängen und in Hotelbars – und integrierte dabei auch Soul, Funk und Rock in seine sakralen Voodoo-Rhythmen. Erst seit wenigen Jahren erschließen diverse Kompilationen von Archivaufnahmen der Gruppe ein neues Publikum im Westen. Plötzlich entdecken nicht nur Fans afrikanischer Musik, sondern auch Funk-Liebhaber das Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou. Indie-Rock-Bands wie Vampire Weekend lassen sich von dem hypnotischem Sound zu eigenen Experimenten inspirieren. Nun haben es die alten Herren des Afro-Funk zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder ins Studio geschafft. Das Album heißt „Cotonou Club“ (Strut) und wieder trifft die rhythmische Intensität James Browns auf die schmutzigen Bläsersätze des westafrikanischen Highlife, fädeln sich silbrig klingelnde Lead- und Rhythmusgitarren in die Percussion-Teppiche ein und aus, klimpert ein Klavier im Rumba-Rhythmus. Gekrönt wird alles von beseeltem Gesang. So gerät selbst Gastspiel der Franz-Ferdinand -Mitglieder Nick McCarthy und Paul Thomson zu einer Verbeugung vor diesem grandiosen Bastard-Pop.
JONATHAN FISCHER
SZ 23.3.2011

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.