Unbeugsam: Der Rapper Raekwon will den Rap nicht an den Rock verkaufen

Dass RZA, Chefproduzent des großen Wu-Tang Clan , zuletzt auch psychedelischen Gitarren-Rock für sich entdeckte, hat einige seiner Schüler zur Rebellion angestiftet: Raekwon kündigte statt Hippie-Gedudel die Wiederbelebung der alten Wu-Tang Maxime an. Er wolle „Musik machen, zu der man aus dem Gefängnis ausbricht“. Und genauso klingt sein neues Album „Shaolin vs Wu-Tang“ (IceH2o): aus düsteren Beats, verhallten Samples, schroffen Streichermotiven und verloren im Raum hängenden Falsettgesängen entsteht ein Straßen-Krimi, in dem sich die Protagonisten beständig dunkler Mächte erwehren müssen, während Dialoge aus alten Kung-Fu-Filmen zu hören sind. Ein Comic, zum Hören. Darüber legt Raekwon seinen patentierten Flow: also vielsilbige komplexe Reime und Metaphern, die die großkotzige Welt der Mafiosi und Zuhälter mit dem Ghetto-Blues der heimischen Sozialwohnungsblocks auf Staten Island kurzschließt. Wer hat zuletzt Großstadt-Paranoia so überzeugend inszeniert? Selbst die Gastspiele von Busta Rhymes, Nas, Black Thought sowie der Wu-Tang-Urgesteine Ghostface Killah und Method Man sind hier mehr als Name-Dropping. Sie halten die dialogische Energie von Raekwons Mini-Dramen beständig auf Anschlag. Zwar ist RZA nicht mit von der Partie, doch seine besten Schüler haben seine alten Tricks inzwischen gelernt!
JONATHAN FISCHER
SZ 9.3.11

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