Flüchten: Hip-Hop-Produzent Sean Combs gibt den Herzschmerz-Edelmann

Als Rapper konnte Sean Combs alias Puff Daddy alias Puffy alias P. Diddy noch nie punkten. Der New Yorker Produzent ist vielmehr ein Meister darin, fremde Stimmen für sich sprechen zu lassen und diese dann clever zu arrangieren und massentauglich zu verpacken. Nach diesem Prinzip funktioniert auch sein sechstes Studioalbum „Last Train To Paris“ (Bad Boy/Interscope/Universal). Nur dass er sich diesmal gleich als „Diddy Dirty Money“-Kollektiv ausgibt: Nach dem Vorbild britischer Club-Projekte wie Soul II Soul oder Loose Ends, übernehmen die zwei R’n’B-Sängerinnen Dawn Richard und Kalenna Harper dabei die meisten Vokalparts, während sich Diddy selbst nur gelegentlich für ein paar Kommentare einklinkt. Oder aber seine Gäste – unter anderem Lil’ Wayne, Usher, Chris Brown oder Rick Ross – zum Zug kommen lässt. Die Geschichte einer Romanze in Paris dient Diddy dazu, um ähnlich wie zuletzt Kanye West oder Drake sein Coming Out als Herzschmerz-Edelmann zu inszenieren. Erträglich wird das durch Diddys bisher selten gehörten Humor – und Beats, die sich an Eurodance und Filter-House orientieren. Als Diddy das Album vor drei Jahren begann, war das ein wegweisendes Konzept. Heute leider nicht mehr.

JONATHAN FISCHER
SZ 2.2.2011

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