Schluchz – Der House-Pionier Robert Owens bringt den Soul in die Technoclubs

Doppelalben sind im House ein eher ungewöhnliches Format, besonders dann, wenn sie nicht nur eine Sammlung von Singles sind, sondern ein Konzept haben. Für „Art“ (Compost) hat sich der legendäre House-Sänger Robert Owens auf eine Zeitreise eingelassen. Das Album beschwört das Gemeinschaftsgefühl des Chicago-House der achtziger Jahre. Owens ätherischer Gesang prägte damals Klassiker wie „Tears“ oder „Can You Feel It“, die die Clubmusik mit dem Soul versöhnten. Schon die Produzenten des neuen Albums deuten auf ein ganz ähnliches Projekt hin: Es sind einerseits deutsche Elektro-Eklektizisten wie Beanfield und Funkjazz-Bass-Bastler wie Atjazz dabei, aber eben auch Owens alter Fingers,Inc.-Kumpel Larry Heard, der knapp die Hälfte der 19 Tracks produzierte. Wie elegant besonders die beiden Veteranen zu Werke gingen zeigt der erste Track „Pipe Dreams“: Ein Beat federt auf halber House-Geschwindigkeit und Piano-Loops und windspielartige Klangeffekte entwickeln einen meditativen Sog. Vor allem wenn Owens mal samtig-coole, mal verzweifelt sehnsüchtige Croonerstimme anhebt, bei „One Love“ etwa, oder bei „Reach Inside“ und „Counting Blessings“. Selbst im härteren, technoiden zweiten Teil bleibt Owens seiner Mission treu: Den Soul zurück in die Technoclubs zu tragen.
JONATHAN FISCHER
SZ 22.12.2010

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