Cool geherrscht Zum Tod des jamaikanischen Reggaestars Gregory Isaacs

Eine gewisse Tragik umwehte den „Cool Ruler“ selbst in den Glanzmomenten seiner Karriere: Als Gregory Isaacs 1982 mit der verführerischen Nummer „Night Nurse“ seinen größten Hit landete, verbüßte der Reggaesänger gerade eine Haftstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes in seiner Heimat Jamaika. Auch später wurde er immer wieder von seiner kriminellen Vergangenheit und seiner Kokainsucht eingeholt – die Ursache dafür, dass Isaacs niemals den Reggae-Thron als legitimer Nachfolger Bob Marleys einnehmen konnte. Die Parallelen zum späten drogengebeutelten Marvin Gaye drängen sich auf. Wie Gaye stilisierte sich der Reggaesänger in seinen Balladen mal als romantischer Liebhaber, mal als Politkämpfer, wusste er seine innere Zerrissenheit in künstlerisches Kapital umzumünzen – wenn sein sinnlich-sanfter Tenor Songs wie „All I Have Is Love“ intonierte, schwang immer eine Ahnung von Verletzlichkeit und gebrochenem Herzen mit. Gleichzeitig verlor er nie den Blick auf die Realitäten Jamaikas: So geißelt Isaacs auf den Protesthymnen „Mr. Cop“ oder „Black Against Black“ Polizeiwillkür und Ghetto-Gewalt, goss seine Gefängniserfahrung in das 1983er Album „Out Deh“.

Isaacs wurde 1951 in Fletcher’s Land, einem der übelsten Ghettos der Hauptstadt Kingston, geboren und von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen. Sam Cooke und Otis Redding gehörten zu seinen ersten Idolen. 1970 gründete er sein eigenes Plattenlabel African Museum und legte sich zum Zeichen seiner Rasta-Gesinnung Dreadlocks zu, 1973 landete er mit „My Only Lover“ seinen ersten Hit. Isaacs’ Schaukelrhythmen und sehnsüchtigen Gesänge begründeten ein ganzes Genre: Lover’s Rock. Bis Ende der 80er Jahre beherrschte er damit die Charts und beeinflusste eine ganze Generation jüngerer Sänger, 2000 nahm er mit seinem Sohn Kevin das Album „Father And Son“ auf. Am Montag starb der „Cool Ruler“ im Alter von 59 Jahren in London.
Jonathan Fischer
SZ vom 27.10.2010

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