Superhelden – Der „Wu-Tang Clan” liefert grandiose Wortgemetzel

Keine Frage: Im Hip-Hop beherrschen Lil’s, Youngs und Boys genannte Rapper das Chart-Geschehen. Alles Junge und Neue gilt per se schon als Sensation. Was will da ein Trio von, nun ja, Dinosauriern des Reimgefechts ausrichten? Ghostface, Methodman und Raekwon mögen zwar schon über 15 Jahre im Geschäft sein, doch als Stars des legendären New Yorker Wu-Tang Clan spielen sie in einer eigenen Liga. Mit ihrer Melange aus fernöstlicher Shaolin-Mystik, bizarren Comics und düster-eklektischen Beats haben sie eine ganz eigene Spielart des Hip-Hop etabliert. Und auch wenn der Clan zersplitterte: Ihre Soloalben hielten den Mythos am Leben. Nun aber trumpfen Ghostface Killah, Methodman & Raekwon mit bewährtem Teamgeist auf: Das „Wu-Massacre” (Def Jam/Universal) dauert gerade einmal 30 Minuten. Aber in dieser halben Stunde richten die drei auf dem Cover als Comic-Superhelden posierenden Rapper ein erstklassiges Wortgemetzel an, reihen einen Kurzkrimi an den nächsten, legen – flankiert von verstaubten Soul-Samples, Maschinengewehrsalven und dem Flappen von Helikopter-Rotoren – zehn filmreife Skizzen hin, in denen sie so kantig-verschroben wirken, als hätten sich Robert De Niro, Sylvester Stallone und Clint Eastwood zu einem letzten Showdown zusammengetan. Grandioses Altmänner-Kino! JONATHAN FISCHER

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