Die Unerschrockene

Zum Tod der amerikanischen Sängerin, Schauspielerin und Bürgerrechtlerin Lena Horne

Als Halle Berry 2002 als erste schwarze Frau einen Oscar gewann, dankte sie schluchzend einer Frau, die ihre Großmutter sein könnte: Lena Horne. Die afroamerikanische Sängerin und Schauspielerin, sagte Berry, habe ihrem Erfolg die Tür geöffnet. Tatsächlich kämpfte Horne unerschrocken gegen den Rassismus. Sie wollte gehört und gesehen werden: als schwarze Frau. Und so schmiedeten die widrigen Umstände aus einer hübschen, aber zur falschen Zeit geborenen Entertainerin eine Ikone schwarzen weiblichen Selbstbewusstseins. Als die 64-jährige 1981 mit ihrer Soloshow „Lena Horne: The Lady And Her Music“ ein spätes Comeback feierte, schrieb ein Kritiker angemessen pathetisch, sie sei „gehärtet wie Eisen, gebacken wie Lehm, geschliffen wie Glas; das Leben hat sie gemeißelt, gebrannt und verfeinert“.

Horne, war sich ihrer Ausnahmestellung stets bewusst. „Den Weißen“, erklärte sie einmal, „ging es nie darum, was für eine großartige Künstlerin ich bin, sondern allein um mein Aussehen.“ Die Tatsache, dass sie nicht nur afrikanische, sondern auch europäische und indianische Wurzeln hatte, prädestinierte sie in den dreißiger Jahren zum ersten dunkelhäutigen Sex-Symbol.

In den vierziger Jahren, als sie mit Musicals wie „Cabin In The Sky“ erfolgreich war und den Titelsong von „Stormy Weather“ zum Hit machte, lernte sie die Bigotterie Hollywoods kennen. Spezielles Make-Up etwa sollte sie weißer wirken lassen. Trotzdem wurde sie in Südstaaten-Versionen ihrer Filme herausgeschnitten. Angebote, eine exotische Latina zu spielen, lehnte sie ab, eine Rolle in MGMs 1951er Version von „Show Boat“ verlor sie, weil gemischtrassige Beziehungen auf der Leinwand noch ein Tabu waren. Später marschierte sie mit Martin Luther King auf Washington und sang bei der letzten Rede des ermordeten Bürgerrechtlers Medgar Evers.

In den sechziger Jahren etablierte sich Lena Horne schließlich als eine der besten Nachtclub-Sängerinnen der Nachkriegszeit, sang Jazzversionen populärer Songs und legte nur nach dem Tod ihres langjährigen Ehemanns Lennie Hayton, dem weißen Musikdirektor von MGM, eine Pause ein. Ihr letztes Soloalbum nahm sie 1998 auf: „Being Myself“. Am vergangenen Sonntag ist sie im New Yorker Presbyterian Hospital im Alter von 92 Jahren gestorben. Laut Talkmasterin Oprah Winfrey soll ihr Leben mit Alica Keys in der Hauptrolle verfilmt werden.

JONATHAN FISCHER

Süddeutsche Zeitung 11.5.2010

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